Lara saß mit verschränkten Armen am Rand des Bettes, ihre grünen Augen blitzten vor Wut und Schmerz. Max stand ein paar Schritte entfernt, die Hände in die Hüften gestemmt, bei dem Versuch, seine Gedanken zu ordnen. Die Luft zwischen ihnen war geladen, und die Stille schien mehr auszusagen wie die Worte, die sie zuvor ausgetauscht hatten.
„War das alles?“, fragte Lara nach einer weile, ihre Stimme scharf. „Du kommst hierher, benutzt mich, und dann gehst du zurück zu deiner perfekten kleinen Kandidatin?“
„Es ist nicht so, wie du denkst. Und leicht ist es ebenfalls nicht“, sagte Max und hob beschwichtigend die Hände.
„Ach nein?“ Lara stand auf und stellte sich ihm direkt gegenüber. „Wie leicht wäre es denn, Max? Wenn du allein entscheiden könntest?“
Max seufzte, seine Schultern sanken leicht. „Lara, du weißt, dass ich keine Wahl habe. Meine Eltern erwarten, dass ich jemanden wie Sonja an der Seite habe. Eine Person, der in unsere Welt passt, der ihren Ansprüchen entspricht.“
„Und ich passe nicht?“, fragte Lara, ihre Stimme bebend vor unterdrückter Wut.
Max sah sie an, sein Blick voller Bedauern. „Du weißt, dass sie dich nie akzeptieren werden. Nicht weil du nicht bedeutend genug bist – sondern um nicht zuzulassen, dass ich aus ihrer perfekten Welt ausbreche.“
Lara lachte bitter. „Du redest, wie ein Gefangener. Aber du bist erwachsen, Max. Du triffst deine Entscheidungen selbst.“
Max trat näher, seine Stimme wurde leiser. „Wenn ich die Wahl hätte, stündest du immer an meiner Seite, Lara. Aber ich habe Verpflichtungen. Du weißt, wie wichtig das für die Familie ist.“
Laras Lippen zitterten, und für einen Moment schien es, dass sie ihm Vertrauen schenkt. Doch ihre Unsicherheit überwog. „Ich bin verunsichert, ob du dir das nicht alles nur ausdenkst, um deine Ruhe zu haben.“
Der Streit eskalierte, doch Max schaffte es, sie zu beruhigen. Er trat hinter sie, legte seine Arme um ihre Taille und zog sie fest an sich. Seine Stimme war sanft, und er sagte: „Verzeihe mir meine Geliebte, Lara. Bitte. Aber das hier… das mit uns… das ist echt.“
Sie lehnte sich widerwillig gegen ihn, ließ sich von der Vertrautheit seiner Berührung einnehmen. „Ich hasse dich gelegentlich dafür, dass du so tief in meinem Herzen verwurzelt bist, das es schmerzt“, murmelte sie.
„Das ist mir klar“, sagte Max leise. „Ich hasse mich ebenfalls manchmal dafür.“
Die Anspannung zwischen ihnen löste sich langsam, und die Nacht wurde erneut zu einem Moment der Intimität und Leidenschaft. Max war bewusst, dass dies nur eine vorübergehende Lösung war, doch für diesen Augenblick ließ er die Zweifel beiseite.
Am nächsten Morgen schlich Max sich leise aus dem Bett, zog sich an und fuhr heim. Die Straßen waren still, die ersten Sonnenstrahlen erhellten die Dächer der Stadt. Zu Hause angekommen, duschte er schnell, zog sich frisch an und holte auf dem Weg zum Bäcker Brötchen und zwei Becher Kaffee.
Mit der Tüte in der Hand lehnte er sich an sein Auto und tippte Sonjas Nummer ein. Das Telefon klingelte ein paar Mal, bevor sie antwortete.
„Max?“ Ihre Stimme klang verschlafen, aber nicht unhöflich.
„Hallo“, sagte er. „Ich hoffe, du warst schon wach.“
„Wenn ich ehrlich bin, hast du mich geweckt“, murmelte Sonja.
„Ich hatte den Gedanken… womöglich könnten wir zusammen frühstücken“, schlug Max vor. „Ich bringe alles mit.“
Sonja zögerte kurz, doch ihre Neugier und die Erinnerungen an den Kuss vom Abend zuvor ließen sie am Ende zustimmen. „Okay. Komm bei mir vorbei.“
In dem Moment in dem Max vor ihrem Anwesen ankam, war er beeindruckt von der Größe und Eleganz des Hauses. Sonja öffnete ihm die Tür, und ihre entspannte Kleidung – eine sanft fallende Bluse und Jeans – ließ sie natürlicher wirken wie bei ihren letzten Treffen.
„Ich denke, dir das Haus zu zeigen, bevor wir frühstücken, ist eine Idee wert“, sagte Sonja und lächelte leicht.
„Gerne“, antwortete Max und folgte ihr.
Der Rundgang durch das Anwesen war für Max eine Offenbarung. Die hohen Decken, die eleganten Möbel, die großzügigen Räume – alles wirkte, wie einem Bildband entsprungen. Doch es war Sonjas Schlafzimmer, das ihn aus dem Gleichgewicht brachte.
Die Einrichtung war schlicht, aber intim – ein großes Bett mit weichen, weißen Kissen, ein Bücherregal voller Romane und ein Fenster mit Blick auf den Garten. Max stellte sich unkontrolliert vor, wie Sonja hier abends las, wie sie sich unter die Decke kuschelte… oder wie es wäre, sie hier zu küssen.
Seine Fantasie übernahm für einen Moment die Kontrolle, und er bemerkte, wie sein Herz schneller schlug. Doch er riss sich zusammen, bevor Sonja etwas bemerken würde.
„Es ist ein elegantes Haus“, sagte er.
Sonja nickte, wirkte aber abgelenkt. „Danke. Es ist… mehr, wie ich für mich allein brauche.“
Beim Frühstück auf der Terrasse stellte Max ihr aus heiterem Himmel eine Frage, die Sonja aus der Fassung brachte.
„Wie viele Partner hattest du vor mir?“
Sonja verschluckte sich fast an ihrem Kaffee. „Was?“
„Mir ist klar, es ist eine persönliche Frage“, sagte Max sanft. „Aber ich habe die Absicht, dich besser kennenzulernen. Nicht nur oberflächlich, sondern den Menschen der du bist.“
Sonja wich seinem Blick aus. „Ich… hatte nie einen Partner“, sagte sie so leise, dass man sie kaum hörte.
Max hielt inne, überrascht. „Echt jetzt, nie?“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich… hatte schlicht nie die Gelegenheit. Oder womöglich die Bereitschaft.“
Max sah sie einen Moment an, dann fragte er: „Und Ihr erstes Mal?“
Sonja errötete tief und wich weiter zurück. „Warum ist es wichtig für dich?“
„Weil ich denke, es ist vorausschauend, so was zu erfahren,“ gab Max zu. „Und wenn man sich näherkommt, so wie wir ist es unumgänglich, über diese Themen zu sprechen.“
Die Intimität zwischen ihnen wuchs, in dem Augenblick in dem Max seine Hand nach ihrer ausstreckte. Sonja bemerkte, wie ihre Nervosität nachließ, doch die Aufregung blieb. Max’ Nähe war überwältigend, und in der Sekunde, in der er sie erneut küsste, stellte sie fest, wie sie alle Zweifel vergaß.
Zögerlich legte sie ihre Hand auf seine Brust, bemerkte den schnellen Rhythmus seines Herzschlags. Es war das erste Mal, dass sie einen Mann so nah an sich ließ, und sie stellte fest, dass sie sich gleichzeitig verunsichert und faszinierte.
Die Berührungen blieben sanft, voller Respekt und Zärtlichkeit, doch sie waren intensiv genug, um Sonjas Herz schneller schlagen zu lassen.